Andreas Schülke in den 14-köpfigen Verbandsrat des Deutschen Studierendenwerks gewählt

Ab 01.01.2020 ist der Geschäftsführer des Studierendenwerks Vorderpfalz damit zuständig für alle Belange der Studierendenwerke in Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland und vertritt diese Bundesländer im Berliner Dachverband DSW. Als Mitglied des Verbandsrates berät und beaufsichtigt er den Vorstand des DSW.

Andreas Schülke in den 14-köpfigen Verbandsrat des Deutschen Studierendenwerks gewählt
Die Studierendenwerke im Dachverband DSW betreuen fast 2,9 Millionen Studierende von über 300 öffentlichen Hochschulen in circa 200 Hochschulstädten und kümmern sich um die soziale, wirtschaftliche, kulturelle und gesundheitliche Förderung. Das Deutsche Studierendenwerk (DSW) ist der Dachverband aller 57 Studierendenwerke in Deutschland und vertritt die Interessen der Studierendenwerke gegenüber der Politik, der Wirtschaft und den Hochschulen.

„Die Wahl in den Verbandsrat des DSW ist für mich die große Chance, die Interessen der Studierendenwerke an oberster Stelle zu vertreten und zu befördern. Mein Ziel ist es, den Forderungen der Studierendenwerke an Politik, Gesellschaft und Wirtschaft Gewicht zu geben und an einer modernen und fairen Bildungslandschaft in Deutschland mitzuarbeiten“, beschreibt Andreas Schülke die Motivation für seine Amtszeit.

Dabei hat er schon die Themen identifiziert, die ihm wichtig sind:

Digitalisierung: State of the Art herstellen und weiterdenken
Digitalisierung hat für mich zwei Facetten. Zum einen sehe ich bei den Studierendenwerken deutlichen Nachholbedarf den digitalen „State of the Art“ zu erreichen und dann – wenn dieser erreicht ist – in der zweiten Stufe darüber nachzudenken, in welche Richtung wir uns als Studierendenwerke mit einer durchweg jungen Klientel entwickeln sollten. Digitalisierung ist für mich immer dann sinnvoll, wenn sie bestehende Prozesse so verändern kann, dass sie mir die Zeit gibt, mich höherwertigen Aufgaben zu widmen. Gleichzeitig sind wir aufgefordert, die Welt von Morgen mitzudenken und mitzugestalten. Meine Rolle sehe ich darin, das Umfeld dafür zu schaffen und Studierendenwerken mit Best-practice-Beispielen Anreize und Hilfen für die eigene Weiterentwicklung zu geben - sowohl intern als auch in der Kommunikation und Dienstleistung für unsere Kunden.

BAföG: Anpassung an die Progression
Meine Ziele beim BAföG sind ganz schnell erklärt: die feste Anpassung des BAföG -Fördersatzes an die allgemeine Progression und an den Mietspiegel, denn BAföG muss als Förderung die aktuellen Lebensrealitäten von Studierenden abbilden und nicht – wie bisher – hinterherhinken. Nur so sind gleiche Bildungschancen für alle Studierenden zu erreichen. Und das muss unsere Maxime in einer fairen Bildungslandschaft sein.

Studentisches Wohnen: Mehr bezahlbaren Wohnraum, mehr staatliche Förderung
Wir brauchen viel mehr finanzielle Unterstützung im Bereich studentisches Wohnen, z.B. funktionierende Fördermittel, um neuen Wohnraum zu bauen und bestehenden nachhaltig sanieren zu können. Ich fordere einen Hochschulsozialpakt bezüglich des Wohnens analog zum bereits bestehenden Hochschulpakt. Denn eines ist klar: Niemand kann bei den heutigen Grundstückspreisen und Baukosten selbst jenseits der Metropolen ein Wohnheim errichten, das hinterher für sozial verträgliche Miete an die Studierenden vermietet werden kann. Rechnet man das durch, liegen die monatlichen Mieten ohne Förderung bei Neubauten sehr weit jenseits der BAföG-Mietförderung in Höhe von 325 Euro monatlich. Ohne öffentliche Förderung ist der satzungsgemäße Auftrag der Studierendenwerke – nämlich sozial verträglichen Wohnraum anzubieten – im Bereich Bau von Wohnheimen künftig nicht mehr umzusetzen. Auch sinnvolle Alternativen der Wohnraumgewinnung, wie zum Beispiel das Projekt „Studentisches Wohnen bei Aldi“ als Partnerschaft mit der Wirtschaft in Landau zeigt, das ernstzunehmende Lösungen von Uni-Städten wahrgenommen werden und Genehmigungsprozesse zu deren Umsetzung vereinfacht und beschleunigt werden müssen.

Mensa: Infrastruktur stärken und modernisieren
Es zeichnet sich als Trend ab, dass sich das Mensaangebot bei vielen Studierendenwerken leicht rückläufig entwickelt. Hier müssen Gastronomiekonzepte entwickelt, getestet und verstetigt werden. Das Ernährungsverhalten unserer Gäste befindet sich im Wandel und genauso müssen wir uns wandeln, wenn wir weiter erfolgreich bleiben wollen. Hier müssen Konzepte erarbeitet und Mittel zur Verfügung gestellt werden, wenn auch weiterhin gelten soll: Wenn Uni, dann Mensa! Ganz besonders die Diskussion um nachhaltige Ernährung und die damit einhergehende Frage der höheren Kosten muss geklärt werden.

Nachhaltigkeit: Potentiale ausschöpfen – innovativ denken – fördern
Dass uns Nachhaltigkeit wichtig ist und dass dieses Thema ernsthaft und stetig weiterverfolgt werden muss, haben wir mit dem Gewinn des Umweltpreises des Landes Rheinland-Pfalz 2019 schon bewiesen. Das wird auch weiterhin ein wichtiges Thema für mich sein. Aber Nachhaltigkeit stößt an die Grenzen, wenn sie sich nicht mehr ökonomisch abbilden lässt. Ein Beispiel: Nachhaltige Lebensmittel sind fast immer teurer. Würden wir für das Mensa-Essen ausschließlich nachhaltig produzierte Lebensmittel einkaufen, wäre der studentische Preis von 2,90.- Euro für ein Menu mit 5 Komponenten schlicht nicht mehr zu halten. Wir sehen hier nur zwei Möglichkeiten: entweder unsere Kunden müssen für Nachhaltigkeit deutlich mehr bezahlen und eine Akzeptanz für „gute Preise für gutes Essen“ entwickeln, oder die jeweiligen Länder erhöhen ihre Essenzuschüsse für den Einkauf nachhaltiger Produkte in der Hochschulgastronomie. Ich werde mich auf jeden Fall weiterhin stark für dieses Thema engagieren, denn es sollte mittlerweile jedem klar sein, dass wir an diesem Thema nicht vorbeikommen. Meiner Meinung nach braucht Nachhaltigkeit sowohl den politischen Willen dazu als auch eine Anschubfinanzierung, bis sich Systeme der Nachhaltigkeit langfristig etablieren.

Beratung: Ich fordere mehr Geld für Beratung - aus wirtschaftlichen Überlegungen!
Beratung gelingt es immer öfter, auch schwierige Studienkarrieren mit beratender Hilfe zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen. Ich bin mir sicher: Ein Sozialpakt für die Beratung aller Studierender ist wirtschaftlich günstiger als die Kosten, die durch erfolglos abgebrochene Studiengänge entstehen. Gerade bei jungen Menschen verlaufen die Bildungskarrieren nicht immer geradlinig. Es ist unsere satzungsgemäße Aufgabe der sozialen Betreuung, aus Problemen keine Sackgassen werden zu lassen. Der Nutzen für den Beratenen in Hinsicht auf einen positiven Studienweg versteht sich dabei von selbst. Deutlich weniger gescheiterte Hochschulkarrieren, effektiv genutzte Studienplätze und dazu langfristig noch gespartes Geld ist für mich eine win-win-Situation. Also dringend mehr Geld in Beratung.

Kinderbetreuung: Verbesserung der Arbeitsbedingungen für Erzieher*innen und mehr Geld in die Früherziehung
Im Umfeld der aktuellen politischen Lage und der Situation am Arbeitsmarkt für Erzieher*innen halte ich es für unverantwortlich, den Beruf der Erzieher*in nicht attraktiver zu machen. Nichts ist für unsere Kinder wichtiger, als ein gelungener Start ins Bildungsleben. Was hier versäumt oder vernachlässigt wird, kann nur schwer im Schulsystem oder später wieder rückgängig gemacht werden. Auf jeden Fall nur mit zusätzlichem Personal oder Finanzaufwand.
Die Grundlagen für einen positiven Bildungsweg werden in der Frühbildung gelegt, nicht erst ab dem ersten Schuljahr. Mehr finanzielle Mittel im Bereich Kita und attraktivere Bedingungen für die Arbeitnehmer*innen in diesem Bereich sind also nicht nur für unsere Kinder gut, sondern haben – langfristig gedacht – sogar wieder einen positiven, finanziellen Effekt.

Partner Hochschulstädte: Hochschulen tun der Stadt gut!
Ich glaube, vielen Städten ist der durchweg positive Effekt, den eine Hochschule auf die Attraktivität und Wirtschaftskraft einer Stadt hat, nicht wirklich bewusst. Städte sollten viel mehr dafür tun, „Uni-Stadt“ zu sein. Neben den positiven Entwicklungen bei der Bevölkerung und den lebendigeren Städten haben Uni-Städte ein Fachkräfte-Reservoir vor der Haustüre und einen regionalen Know-how-Pool. Wenn die Stadt dann noch lebenswert ist, steht einer win-win-Situation für Stadt, Studierende und die Hochschule nichts mehr im Weg.

Internationalisierung: Andere Kulturen im wahrsten Sinn des Wortes erleben
Für mich ist Internationalisierung im Studierendenwerk gelebte Internationalisierung, also der Austausch von Personal, von Arbeitsrealitäten, von unterschiedlichen Arbeitsphilosophien und der direkte Erwerb einer interkulturellen Kompetenz.
Internationale Studierende müssen besser eingebunden werden in das Uni-Leben und in das städtische Leben. Bereits bestehende, gute Konzepte müssen besser kommuniziert werden. Mein Ziel ist es, Internationalität auf dem eigenen Campus erlebbar und nutzbar zu machen, um Netzwerke für das Studium im Ausland knüpfen zu können und internationalen Studierenden den Beginn an einer deutschen Hochschule so leicht wie möglich zu machen.

Die Amtszeit von Andreas Schülke geht bis zum 31.12.2021. Nähere Informationen zum Verbandsrat erhalten Sie hier: https://www.studentenwerke.de/de/content/verbandsrat
News vom 28.01.2020Zur Übersicht