Das Studierendenwerk Vorderpfalz adressiert seine Zukunftsthemen an die Politik.

Zweite Amtszeit 2022 - 2023 für Andreas Schülke im Verbandsrat des Deutschen Studentenwerks in Berlin
  • Als Sprecher für Rheinland-Pfalz, das Saarland und Hessen übernimmt er ab Januar 2022 weiterhin zusätzlich den Fachausschuss Personal und Recht für weitere zwei Jahre.
  • Das Studierendenwerk Vorderpfalz adressiert notwendige Maßnahmen an die neue Bundesregierung.

„Es ist natürlich eine sehr schöne Bestätigung für mich und meine Arbeit, gerade jetzt eine zweite Amtszeit für den Verband antreten zu können, wo mit der neuen Bundesregierung so viel politischer, sozialer, ökologischer und wirtschaftlicher Aufbruch in der Luft liegt".
Auf Bundesebene des Verbandes wird er sich in den kommenden zwei Jahren besonders für folgende Themen einsetzen:

Das Studierendenwerk Vorderpfalz adressiert seine Zukunftsthemen an die Politik.
Nachhaltiges Handeln muss sich lohnen.
Unnötig zu erwähnen, dass Nachhaltigkeit ein starkes Thema werden wird und werden muss. Hier sind wir voll auf der Linie der neuen Bundesregierung. Mit dem Erhalt des rheinland-pfälzischen Umweltpreises 2019 wurden unsere Aktivitäten in dieser Richtung bereits honoriert. Wir plädieren dafür, dass sich nachhaltiges Handeln – besonders am bildungspolitischen Leuchtturm der Hochschulen – für die nachhaltig Handelnden auch lohnen muss. Ein ganz konkreter Vorschlag in dieser Richtung ist: Zusätzliche Bundes- oder Landesmittel für Nachhaltigkeit für den nachhaltigen Einkauf in den Mensen über die gegenwärtigen Essenszuschüsse für Mensaessen hinaus. Diese zusätzlichen Mittel werden nur dann ausgezahlt, wenn Studierendenwerke nachweislich nachhaltig einkaufen. Wir sind bereit, unseren Einkauf so transparent zu machen, dass unsere Nachhaltigkeit im Einkauf auch nachprüfbar ist.

Studentisches Wohnen muss endlich gestärkt werden.
Die Tatsache, dass nach der Pandemie langfristig eventuell 20% aller Lehrinhalte weiterhin digital abgehalten werden, ändert nichts an der Tatsache, dass Studierenden für die anderen 80% ihres Studierendenlebens bezahlbare, moderne und mit exzellentem Internet versehene Wohnheime brauchen. Sowohl in der Wohnheimquote als auch in der Ausstattung mit hoch performantem Internet hinken wir hier extrem hinterher. Das Studierendenwerk Vorderpfalz erreicht in drei seiner vier Standorte eine Wohnheimquote von gerade einmal 5,4 Prozent. Landesweit ist der Schnitt bei ca. 10 Prozent. Nur jeder 19te Student hat also eine Chance auf einen Wohnheimplatz – in attraktiven Städten mit einem stark konkurrierenden Wohnungsmarkt viel zu wenig.
Und – studentisches Wohnen muss günstig bleiben. Das geht nur entweder mit Fördergeldern, kostenlos überlassenen Grundstücken in Erbpacht oder realistischen Landeskrediten, die den Neubau von Wohnheimplätzen ermöglichen. Dies ist gegenwärtig zum Beispiel in Rheinland-Pfalz leider nicht der Fall.

Digitale Formate werden in der Bildung immer wichtiger.
Die Pandemie hat beschleunigt, was auch ohne Pandemie zu erwarten war: Das Studium wird digitaler. Hier herrscht großer Nachholbedarf in Deutschland, auch wenn während Corona der Hochschulbetrieb einigermaßen aufrechterhalten werden konnte. Das aber oft nicht wegen der exzellenten Infrastruktur geklappt, sondern wegen der Kreativität und Einsatzbereitschaft der Lehrenden, Studierenden und IT-Mitarbeiter*innen und der Hoffnung auf eine bald endende Pandemie. Wer digitale Bildung will, muss auch in digitale Bildung investieren. Natürlich an den Hochschulen selbst, aber auch in den Wohnheimen der Studierenden und in der WLAN-Wolke auf dem Campus, der Cafeteria und der Mensa. Diesen infrastrukturellen Ausbau kann das Studierendenwerk nicht alleine stemmen. Besonders der Bereich IT muss in den Studierendenwerken viel stärker ausgebaut werden. Größtes Problem gegenwärtig: Mit dem Tarifvertrag der Länder ist es auf dem Arbeitsmarkt so gut wie unmöglich, IT-Mitarbeiter*innen zu gewinnen. Hier droht langfristig das Out-Sourcing von IT-Leistungen, die sicher nicht günstiger werden als adäquat bezahlte IT-Teams.

Das Studium ist ein sozialer Ort.
Aus unserer Beratung wissen wir es aus erster Hand: Die Folgen von drei bis vier ausgefallenen Semestern sind und bleiben auch auf sozialer Ebene – besonders für „Corona-Erstsemester“ – ein großes Problem, dass noch nachwirken wird. Wir stellen fest: Die Sozialisation in einem eigenen „Studierenden-Leben“ scheint mindestens ebenso wichtig wie eine gute Lehre an der Hochschule. Wissen ohne Sozialisation verliert stark an Wert und die Führungskräfte von Morgen dürfen ihre Lebenserfahrungen nicht aus der WLAN-Wolke der Eltern beziehen. Hier wird Nachsorge und finanzielle Hilfe zur Nachsorge in der Beratung und in finanziellen Nothilfefonds notwendig sein. Wir bitten dringend um diese Unterstützung, denn es geht um die Führungskräfte von Morgen. Wir streben seit längerem einen Haushaltstitel „studentische Beratung“ im Landeshaushalt an, bisher leider ohne ministeriales Feedback.

Die Studienfinanzierung muss modernisiert werden.
Das Bafög muss sich dringend an die veränderten Begebenheiten des Studiums anpassen und – besonders in Rheinland-Pfalz – endlich in eine ganzheitliche Studienfinanzierung eingebettet werden. Mit der Vergabe der Überbrückungshilfe konnten wir feststellen, wie wichtig eine „Studienfinanzierung aus einer Hand“ für die Studierenden ist – egal, ob es am Ende Bafög, eine Überbrückungshilfe für Studierende oder Gelder aus den eigenen, solidarisch finanzierten Nothilfefonds der Studierendenwerke werden. Auch die Anpassung der Bafög-Sätze nach oben ist dringend erforderlich, denn ganz besonders die Mietpreise und seit neuestem auch die Energiepreise schlagen doch weit größere Löcher in das Budget der Studierenden als sie durch Bafög wieder aufgefüllt werden. Wir sind ebenfalls zum Dialog bereit, wenn die Bundesmittel aus der Ausbildungsförderung analog zu allen anderen Bundesländern auch in Rheinland-Pfalz künftig von den Studierendenwerken vergeben werden sollten. Aus unserer Sicht ist nur dann die Studienfinanzierung und die Beratung dazu aus einer Hand effektiv möglich und wirklich zielführend.

Über den Verbandsrat des DSW
Die Studierendenwerke im Dachverband DSW betreuen fast 2,9 Millionen Studierende von über 300 öffentlichen Hochschulen in circa 200 Hochschulstädten und kümmern sich um die soziale, wirtschaftliche, kulturelle und gesundheitliche Förderung. Das Deutsche Studierendenwerk (DSW) ist der Dachverband aller 57 Studierendenwerke in Deutschland und vertritt die Interessen der Studierendenwerke gegenüber der Politik, der Wirtschaft und den Hochschulen.
News vom 15.12.2021Zur Übersicht